100%ige Erbschaftsteuer

Vermutlich würden mich manche als Gerechtigkeits-Fanatiker bezeichnen. Ich halte es z. B. für ziemlich ungerecht, dass die durchschnittlich erwartete Lebensqualität eines Menschen hauptsächlich davon abhängt, in welchem Land er geboren ist und wie wohlhabend seine bzw. ihre Eltern sind. Ich habe nicht wirklich viel dafür getan, dass ich als Deutscher geboren wurde und meine Eltern mir eine fantastische Bildungskarriere ermöglichen konnten. Ich kann es nicht verstehen, dass es so viele Menschen zu geben scheint, die sich etwas darauf einbilden, in einem bestimmten Land geboren worden zu sein und das Gute, was ihnen ihre Geburtsumstände gebracht hat, vor anderen schützen wollen (solche Menschen nennt man unter anderem unter gewissen Umständen wahlweise Nationalisten, AfD-Wähler oder Wutbürger).

Im Gegenteil dazu finde ich es ungerecht, dass es vielen Menschen materiell gesehen deutlich schlechter geht als mir, weil sie den schwerwiegenden Fehler begangen haben, nicht in Deutschland als Kind meiner Eltern geboren worden zu sein. Wie konnten die nur… Die sind ja echt selbst schuld daran, dass sie z. B. Fußbälle in China nähen oder Blutdiamanten in Afrika schürfen müssen. „Haben halt nix g’scheit’s aus ihrem Leben g’macht.“

Langfristig fände ich es deshalb unglaublich toll, wenn die geographische und kulturelle Herkunft eines Menschen nur noch  minimale Auswirkungen auf seinen Wohlstand hat. Jetzt ist es sehr schwer, alle Menschen in Deutschland geboren werden zu lassen. Zum einen würde das etwas eng werden, zum anderen sprächen dann alle nur noch Deutsch was eine Menge Sprachwissenschaftler arbeitslos machte und daher als vermeidenswert einzustufen ist.

Was allerdings möglich wäre, ist, dass das Vermögen umverteilt werden würde. Wie der Postillon z. B. hier oder hier auf wunderbar humorvolle Weise dargestellt hat, ist das globale Vermögen derzeit auf höchst lächerlich-ungerechte Art und Weise verteilt und steht in keinem Verhältnis zu dem, was ein Mensch durch seine Arbeit verdient hat oder braucht.

Ein guter Anfang, um dieses Problem anzugehen, wäre z. B. die von mir sehnsüchtig herbeigewünschte 100 %ige Erbschaftssteuer. Das so etwas nicht nur von jungen Menschen wie mir sondern auch von scheinbar erfahrenen Experten  gefordert wird, zeigt z. B. dieser Artikel.

Ich persönlich finde ja, dass Erben so ziemlich lächerlichste und abstruseste auf der Welt ist (noch deutlich verrückter z. B. als das, was japanische Medien so produzieren). Mir ist natürlich klar, dass Erben für die meisten Menschen gerecht erscheint und auch für mich noch vor gar nicht allzu langer Zeit das natürlichste auf Welt war. Aber nicht weil es das ist, sondern einfach nur aus Gewohnheit. Denn man muss sich mal genauer anschauen, was passiert, wenn ein Testament vollstreckt wird: Eine Leiche entscheidet dann, wer was bekommt und wer nicht. Eine gottverdammte (alle religiösen Leser lesen hier statt „gottverdammt“ bitte „tote“ [oder ein anderes Wort, welches ihre religiösen Gefühle nicht verletzt]) Leiche. Im Endeffekt wird über die globale Verteilung von Vermögen – und damit von der Lebensqualität der Lebenden – von Toten entschieden. VON TOTEN!!!

Ich halt das für äußerst behindert, oder politisch korrekter formuliert: fragwürdig. Als ob irgend dämlicher Körper der 6 Fuß unter der Erde liegt besser weiß, wie das Vermögen der Lebenden zu verteilen ist, als die Lebenden selbst. Das muss doch nun wirklich nicht sein… Klar, ich kenne auch die Argumente, die angeblich für das Erben sprechen. Von wegen, dass das Kapital zusammengehalten werden muss und es eine Ordnung braucht etc. Ich bin was Wirtschaft angeht ja nicht total auf den Kopf gefallen. Trotzdem halte ich es einfach für unglaublich bescheuert, dass z. B. diverse Menschen mit ihrer Geburt ein immenses Privatvermögen erhalten und andere den praktisch sicheren Hungertod. Einfach nur weil ein mittlerweile toter Körper das so entschieden hat. Dazu kommt noch, dass die meisten Menschen, die ein immenses Vermögen besitzen, ebendieses auf sehr fragwürdige Art und Weise erlangt und zusammengehalten haben. Siehe Panama Papers.

Gerade in Deutschland – ein laut dem deutschen Grundgesetz (Artikel 20,  Paragraph 1) „sozialer Staat“ – ist die Gesetzeslage so, dass Reiche bevorzugt werden, sodass sie auch ohne kriminelle Machenschaften (siehe Panama Papers) ihr Vermögen gut behalten und sogar vermehren können – auf Kosten derer, die weniger haben (das zeigen beispielsweise dieser oder jener Artikel). Das hat meiner Meinung nach sehr wenig mit „sozial“ zu tun.

Dass sogar die Gesetze selbst in Deutschland soziale Ungerechtigkeit unterstützen, und die aus meiner Sicht notwendig erforderlichen Änderungen im Erbschaftsrecht und der Vermögenssteuer ausbleiben und äußerst effizient aktiv verzögert werden, hat meinem Verständnis nach sehr viel mit Lobbyismus zu tun.

Lobbyismus bedeutet praktisch z. B., dass ein Politiker ein wenig Geld (aber doch genug um ihm das Leben zu versüßen) dafür bekommt, dass er einer reichen und mächtigen Firma z. B. einen staatlichen Großauftrag zuschustert, welche dadurch noch reicher und mächtiger wird. Der Unterschied zu Korruption besteht dabei vermutlich in der Farbe des Morgenurins des sog. Lobbyisten. In der Regel kann man Lobbyismus meinem Verständnis nach zusammenfassen als den Mechanismus, durch den die Reichen und Mächtigen ihren Reichtum und ihre Macht festigen und ausbauen – im Gegensatz zum durch das Grundgesetz festgelegtem Ideal, nach welchem eigentlich das Volk  und nicht wenige Reiche die Macht haben sollten…

Besagter Lobbyismus hat zur Folge, dass wir nicht wie erhofft in einer – laut Grundgesetz festgelegten (Artikel 20) – Demokratie Leben, sondern praktisch in einer Oligarchie der Reichen (und somit Mächtigen), wie z. B. auch das nach unseren Medien als so böse dargestellte Russland.

Laut Grundgesetz haben wir übrigens auch das Recht, uns persönlich gegen alle zu wehren, die die demokratische Ordnung beseitigen wollen (Artikel 20). Das wollte ich nur mal gesagt haben. Dem Thema Lobbyismus werde ich aber bei Zeiten einen weiteren Beitrag widmen.

Zur Erinnerung: Hier ging es nur um die 100 %ige Erbschaftssteuer und warum ich diese für gerecht halte.

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