Meine Probleme mit der Viehzucht.

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Ist, sofern von argentinischer Herkuft, nach Meinung einiger Menschen weniger schützenswert als der Sonntagsbraten: der Mensch. Bildquelle: Helene Souza / pixelio.de

Da es immer wieder vorkommt, dass carnivore Mitmenschen die Seriosität bzw. den Wahrheitsgehalt der Gründe für meinen Vegetarismus anzweifeln, habe ich mir die Mühe gemacht, etwas mehr zum Thema Viehzucht und Tierfutterproduktion zu recherchieren. Dieser Beitrag richtet sich daher an Menschen, die anzweifeln, ob die Gründe, die ich für meine fleischlose Lebensweise anführe, wahr sind, oder sich genauer für die Thematik interessieren.

Zuerst sei einmal gesagt, dass die Fleischproduktion in Deutschland momentan nicht zurückgeht, sondern steigt. Das erste Halbjahr 2016 hat die Schlachtung von Tieren in Deutschland einen neuen Maximalwert erreicht. Das liegt wohl vor allem daran, dass mehr Fleisch exportiert wird. In Deutschland selbst wird etwas weniger Fleisch verkauft. Daher ist das Thema „Viehzucht in Deutschland“ auch dann noch relevant, wenn noch mehr Deutsche sich dazu entscheiden weniger Fleisch zu konsumieren, und man sollte als deutscher Wahlberechtigter über das Thema Fleischproduktion meiner Meinung nach Bescheid wissen.

Futtermittelimporte aus Argentinien und ihre Folgen

„[INKOTA ist der Meinung] dass der Flächenanspruch für Futtermittel nicht zu Lasten der Nahrungsmittelproduktion in Ländern des Südens gehen darf.“

Letzter Absatz unter diesem Link

Ein gute Übersicht zum Thema „Futtermittelimporte“ liefert der unabhängige und gemeinnützige Verein INKOTA (dieser setzt sich z. B. für Menschenrechte ein und macht auf den Erdüberlastungstag aufmerksam). Das Informationsblatt ist von 2012. Da die Fleischproduktion seitdem gestiegen ist, kann man meiner Meinung nach davon ausgehen, dass die Menge von importiertem Futtermittel seitdem nicht erheblich gesunken ist. Was INKOTA hier ausführt, ist, dass Deutschland z. B. Soja als Futtermittel aus Argentinien importiert. Um den Soja-Anbau dort zu steigern, wird eine Menge Land zerstört (bspw. durch Brandrodung des Regenwalds), dabei werden Kleinbauern und indigene Völker (teilweise gewaltsam) vertrieben und durch die Soja-Monokulturen wird auch noch dem Land selbst geschadet. Zuguter letzt kommt es in Argentinien vermutlich durch den Einsatz von Glyphosat im Monsanto-Pestizid „Roundup“ zu einer erhöhten Rate von Fehlgeburten, Krebs und weiteren Krankheiten. Auf dieses Phänomen hat die SZ bereits vor 4 Jahren aufmerksam gemacht.

Ein neuerer Artikel zu Soja in Argentinien von der SZ erwähnt z. B., dass die Fläche, auf der in Argentinien Soja bepflanzt wird, der 1,6-fachen Fläche Deutschlands entspricht. Die Anbaufläche, die davon für den Import nach Deutschland benötigt wird, entspricht in etwa der Fläche von Sachsen (siehe hier auf S. 58, Stand 2014). Erwähnt wird im SZ-Artikel auch eine Studie von 2009, bei der bereits gezeigt wurde, dass Glyphosat höchstwahrscheinlich in der Embryonalentwicklung einen sehr negativen Einfluss hat. Wer hier in Deutschland durch gedankenlosen Fleischkonsum die argentinischen Zustände unterstützt, sollte sich mal überlegen, ob man den Sonntagsbraten für wichtiger hält als die Gesundheit von argentinischen Babys bzw. Menschen.

Zwischenfazit? Laut dem INKOTA Artikel könnte man mit den Ressourcen, die für die Fleischproduktion verwendet werden, zusätzlich 3,5 Mrd. Menschen ernähren. Wenn man bedenkt, dass immer noch alle drei Sekunden ein Mensch an den Folgen von Hunger und Unterernährung stirbt und wenn man zusätzlich bedenkt, dass durch die globalen Wirtschafts-, Agrar- und Subventionsstrukturen die westlichen Fleischkonsumenten das Essen indirekt ärmeren Menschen aus dem Süden wegessen und auf weitere Arten schaden, klingt eine vegane, vegetarische oder wenigstens fleischärmere Ernährung zumindest ethisch gesehen durchaus verlockend.

Außerdem sägt man aus meiner Sicht – indem man die Abrodung von Regenwald auf welche Art auch immer untersützt – als Mensch in einer globalen Welt ganz nebenbei noch am berühmten eigenen Ast.

„Ich brauche aber Fleisch gegen die Mangelernährung“

Wer sich eine solche Umstellung auf weniger Fleisch (ich rufe hier nicht zum Veganismus auf, das muss jeder für sich entscheiden und verantworten) nur schwer vorstellen kann, weil tierische Produkte zu sehr im täglich‘ Brot verwoben sind, für den gibt es unglaublich viele gute Hilfestellungen im Internet. Ich persönlich nutze z. B. Hilfestellungen zum Veganismus die ich per Mail bekomme, einmal in Form der vegan-taste-week vom Albert-Schweitzer Institut und dann in Form von 30 Tagen Infomails von „Veganstart“, was eine Initiative von Peta ist. Und sogar REWE bietet mittlerweile Hilfen zur veganen Ernährung an! Dabei wird quasi alles erklärt was man wissen muss. Veganismus aus medizinischer (welche Nährstoffe bekomme ich woher?), kulinarischer (Rezept-Ideen usw.) und ökologischer Sicht (offensichtlich muss vegan nicht teurer sein als Fleisch, bei mir ist es sogar umgekehrt). Ich selbst bin gerade dabei, meine Ernährung auf vegan umzustellen, da z. B. beim Konsum von Milch oder Eiern die selben Probleme vorhanden sind wie bei dem von Fleisch. Zuvor hatte mich mangelndes Wissen über eine gesunde vegane Ernährung davon abgehalten.

„Die Veganer machen mit ihrem Tofu ja auch alles kaputt“

Viele Fleischkonsumenten sind der Ansicht, dass Veganer oder Vegetarier durch ihren eigenen Soja Konsum ebenfalls der Umwelt schaden, da „Tofu auch nicht besser als Fleisch ist“ (ganz nebenbei liegt hier die Annahme zu Grunde, dass ein Veganer dazu verdammt ist, Unmengen von Tofu zu verzehren). Dieses häufig auftretende Argument zeigt mir, wie sehr Fleischkonsumenten den Kalorienverschwendungseffekt durch den Fleischkonsum unterschätzen. Laut WWF werden beispielsweise (Stand April) 2016 80 % des nach Deutschland importierten Sojas als Futtermittel verwendet. Wer also etwas gegen übermäßige Sojaproduktion hat, sollte nicht weniger Soja essen, sondern weniger Fleisch, und das Soja selbst futtern! Möglich machts der bekannte Kalorienverlust bei der Fleischproduktion (Zumindest von z. B. industriellem Schweinefleisch; ich rede hier natürlich nicht von der Ziege die hinterm Haus Gras – ergänzt um Biomüllsnacks – futtert. Aber die ist bei uns dann doch eher die Ausnahme.). Peta hat es geschafft, diesen Zusammenhang wunderbar anschaulich mit bunten Bildern und so hier darzustellen.

Und weil bei dieser „ich-bin-Veganer-weil-mir-andere-Menschen-und-die-Natur-nicht-am-Arsch-vorbei-gehen“-Perspekive der Tierschutzanteil etwas zu kurz kommen könnte, empfehle ich zuguterletzt dieses Video.

Ich könnte noch 50 Seiten mehr über diese und ähnliche Aspekte veganer Ernährung bzw. den globalen Strukturen unserer Landwirtschaft schreiben, aber ich habe so das  Gefühl, dass dieser Artikel lang genug ist.

Wenn mir jemand gute Gründe liefern kann, warum eine vegane Ernährung schlecht ist, wäre ich darum sehr dankbar. Ich versuche eine faire, wahrheitsgemäße Sichtweise zu den Themen, über die ich schreibe, zu entwickeln, und keine einseitige. Es geht mir persönlich nicht darum, Menschen von meiner Weltanschauung zu überzeugen, sondern zu den von mir behandelten Themen die möglichst objektive Wahrheit zu finden.

Alle Quellen und weitere Studien auf einen Blick

Zur besseren zukünftigen Wiederverwendbarkeit dieses Artikels habe ich mir die Mühe gemacht, hier alle von mir verwendeten Quellen mit Erklärung sowie weiterführende Studien auf einen Blick darzustellen:

Das INKOTA Infoblatt von 2012 mit vielen weiterführenden Links

Fleischatlas – Daten und Fakten über Tiere als Nahrungsmittel ist eine Studie von 2014, vor allem das Kapitel „Argentinien, das Soja-Reich“ ab Seite 30 ist für die von mir geschilderten Aspekte relevant.

WWF: Sojabohne als Futtermittel mit einer Menge weiterführender Links am Seitenende. WWF halte ich persönlich für sehr seriös, da in meinem Bio-Studium auch Professoren WWF-Berichte als wissenschaftliche Quellen selbst verwendet haben.

WWF Studie von 2014: Fleisch frisst Land  Vor allem der Text und die Graphik auf Seite 58 ff. zeigen, wie viel Land durch Fleischkonsum vereinnahmt wird. Hier wird z. B. gezeigt, dass alleine um den Fleischkonsum der Deutschen zu decken, über die Hälfte des deutschen Staatsgebiets zur Futtermittelproduktion herhalten müsste.

WWF Bericht zu Soja mit einigen Download-Links zu Studien z. B. zur Rolle von Soja in der Milchviehfütterung oder zu Alternativen zu Soja.

WWF Einsteigsseite zum Thema Fleisch allgemein.

SZ Artikel zu Glyphosat in Argentinien von 2016.

SZ Artikel über Glyphosat in Argentinien von 2012.

SZ-Magazin zur selben Thematik von 2014.

Welt: Glyphosat in Argentinien von 2016. Wichtig der letzte Satz:

„Borgognoni aber will nicht aufgeben. Zusammen mit anderen Aktivisten fährt er an Schulen und klärt über die Folgen von Monokulturen, intensiver Landwirtschaft und Pestizideinsatz auf. Wirklich bekämpft werden könne das Glyphosat nur in den Köpfen der Menschen, sagt er. Das Angebot der Landwirte habe sich schon immer an der Nachfrage orientiert. Die müsse man ändern.“

Die Macht hat der Verbraucher! (der mit dem Geld)

TAZ: Glyphosat in Argentinien von 2015.

TAZ: Glyphosat allgemein von 2015.

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