Von Negern und Viechern

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Irene Lehmann / pixelio.de

Ich habe mich des Öfteren gefragt, wie so viele Menschen in den vergangenen Jahrhunderten die Sklaverei in den USA befürworten konnten, sodass sie mehrere hundert Jahre bestehen konnte. Hatten die Menschen damals einfach noch kein Empathievermögen? Das klingt unwahrscheinlich, wo dieses doch bereits bei Ratten nachgewiesen wurde. Dachten die Weißen damals vielleicht, dass afrikanischen Sklaven „artgerecht“ (besser „rassegerecht“) gehalten werden? Oder dass sie dumm sind, und dazu geboren wurden, Sklaven zu sein; und mit Sicherheit minderwertiger sind als die Weißen? Das klingt schon glaubwürdiger.

Auf dem Wikipedia-Eintrag zu „Malcolm X“ (dieser ist mehr oder weniger die nicht ganz so friedvolle Version von Martin Luther King) wird erzählt, dass sich die Schwarzen damals gegen das „Negerbild“ der Weißen wehren mussten, nach welchem der Schwarze beispielsweise dumm und unterwürfig ist.

Und wenn man „Beurteilung der Sklaverei“ googlet, findet man zeitgenössische Aussagen, die ebenfalls diese Denkweisen der Weißen belegen. Sklaven wurden früher wohl von vielen als Untermenschen betrachtet. So wie man heute Schweine und Kühe als Untertiere betrachtet. Oder geht dieser Vergleich zu weit? „Wie kann er nur Tiere mit Menschen vergleichen!“ – ist das nicht die neue Version von: „Wie kann er nur Nigger mit Weißen vergleichen!“?

„Der Tag wird kommen, an dem auch den übrigen lebenden Geschöpfen die Rechte gewährt werden, die man ihnen nur durch Tyrannei vorenthalten konnte. Die Franzosen haben bereits erkannt, dass schwarze Haut kein Grund ist, ein menschliches Wesen schutzlos der Laune eines Peinigers auszuliefern. Ebenso mag eines Tages erkannt werden, dass auch die Zahl der Beine, die Behaarung und das Ende des Os sacrum sämtlich unzureichende Gründe sind, ein empfindendes Wesen solch einem Schicksal zu überlassen. […] Die Frage ist nicht, ob sie denken oder sprechen können, sondern ob sie leiden können.“

Jeremy Bentham, englischer Philosoph und Jurist, 1748 – 1832

Ist es nicht verdammt überholt, dumm und altmodisch, ein Lebewesen, ein Individuum, welches leben, glücklich sein und seine Kinder aufziehen will, deshalb zu misshandeln, zu missbrauchen und nach Belieben zu ermorden, nur weil es anders aussieht und eine andere Sprache spricht, als man selbst?

Fällt dem Leser eigentlich auf, dass es völlig offen ist, ob der vorherige kursive Absatz sich auf die „dummen Neger“ bezieht, die ob ihrer anderen Sprache und ihres anderen Aussehens damals ausgebeutet wurden, oder auf die „dummen Viecher“ heute, die wir auf Grund der einfachen Tatsache, dass sie es verpasst haben, sich die menschliche Sprache anzueignen und so auszusehen wie wir, versklaven, ihren Familien entreißen und nach Belieben töten?

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Paul Marx / Pixelio.de

Wenn man sich die Konzentrationslager der Nazis anschaut, in denen Juden beispielsweise Nummern eingebrannt bekommen haben, wie es heute teilweise mit Kühen gemacht wird, liegt einem (oder zumindest mir) schnell der Satz auf der Zunge, dass die Juden, Zigeuner und Behinderte damals von Hitlers Schergen behandelt wurden „wie die Tiere“. Ebenso geht es mir mit den schwarzen Sklaven in vergangenen Jahrhunderten in den USA. Wer z. B. Django Unchained gesehen hat, weiß vermutlich, was ich meine.

Vielleicht ist endlich an der Zeit, dass wir aufhören, darüber schockiert zu sein, dass Hitler Juden wie Tiere behandelt hat. Stattdessen wäre es meiner Meinung nach angebracht, darüber schockiert zu sein, dass wir selbst unsere Mitlebewesen, die laut Wissenschaftlern wie Darwin und auch nach neuestem wissenschaftlichen Kenntnisstand, genau wie wir, denken, fühlen und leiden können, so behandeln, wie Hitler die Juden behandelt hat.

„Vor 130 Jahren hat die Kirche geschwiegen, weil es nur Schwarze waren. Vor 60 Jahren hat die Kirche geschwiegen, weil es nur Juden waren. Heute schweigt die Kirche, weil es nur Tiere sind.“

Christa Blanke, deutsche Theologin und Tierschützerin, *1948

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