Das Fest der Hoffnung und der Liebe

Ein offener Weihnachtsbrief an mein Umfeld
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Mein Weihnachtsgeschenk 2016 an Dich.

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Daniel Dirscherl / pixelio.de

Laut des Soziologen Hartmut Rosa ist der Mensch dann glücklich, wenn er sich im Einklang mit der Welt befindet. Aber kaum ein Mensch, den ich kenne, befindet sich im Einklang mit der Welt, die ich kenne. Trotzdem scheinen viele von euch ziemlich glücklich zu sein. Wie passt das zusammen? Ich schätze, das kommt daher, dass viele von euch einfach freiwillig ihre Welt verkleinern und Teile darin ignorieren, die Teil meiner Welt sind und euren Einklang stören könnten. Statt euer Verhalten der Welt anzupassen, um mit ihr im Einklang zu sein, passt ihr einfach eure Welt an euer Verhalten an. Und dieses Selektieren eurer Welt ist unfassbar asozial, da es sich extrem negativ auf gefühlvolle Lebewesen auswirken kann, die euch nichts getan haben, sondern einfach nur zu schwach sind, um sich zu wehren oder zu weit weg, um eine Audienz bei euch zu erbitten.

Wenn du damit kein Problem hast, da es dein Lebensziel ist, asozial zu sein, dann hör jetzt auf zu lesen und mache weiter wie bisher. Ich vertrete keine Religion, ich respektiere deine Andersartigkeit, ich drohe nicht mit einer Hölle oder Karma und ich habe nicht einmal vor, dich schlechter zu behandeln als mich; ich werde einfach nur ein wenig deprimierter und beim nächsten Gespräch mit dir weniger fröhlich und lebhaft sein, mehr aber auch nicht.

Wo waren wir? Ah ja, bei der Selektion der eigenen, kleinen Welt. Also: Statt aufzuhören, bei Primark zu kaufen oder beispielsweise Produkte aus Massentierhaltung (bei welcher nicht nur Tiere, sondern häufig auch Arbeiter ausgebeutet werden), wehrt ihr euch gezielt dagegen, über Primark und Massentierhaltung aufgeklärt zu werden. Primark und Massentierhaltung gehören nicht in ihrer wahren Form zu der Welt, in der ihr lebt; stattdessen gibt es in eurer Welt „aus der Luft gezauberte“ Kleidung, die weniger kostet, als eine Schachtel hochkonzentriertes Lungengift, sowie „leckere Schweinemedaillons zum halben Preis“ aus einer professionellen Verpackung mit hübschen Bauernhofbildern und glücklich aussehenden  Tieren drauf; was aber in Wirklichkeit nichts anderes ist, als die Garantie dafür, dass eure Enkelkinder einmal eher an einem multiresistenten Keim krepieren werden, als an Krebs, einem unserer Top-Volkskiller.

Und all das nur, weil einige Menschen lieber jetzt fett Geld verdienen (oder sparen) wollen, als lebende Enkel zu haben, und weil ihr denkt, dass das, was jeder macht, schon nicht so falsch sein kann, dass es sich lohnen würde, darüber nachzudenken, ob man es nicht lassen oder anders machen sollte. Aber Überraschung: „Die Mehrheit hat immer recht“ ist leider kein Naturgesetz.

Statt aufzuhören, eure Freunde zu essen, verdrängt ihr die Tatsache, dass viele von euch sich vermutlich mit jedem höheren Säugetier angefreundet hätten – hättet ihr die Chance gehabt – für dessen Qual und Ermordung ihr bezahlt, und dessen toten Körper ihr dann auch noch verspeist habt.

Und auch z. B. Hühner gelten als intelligenter als dreijährige Kinder (googlet einfach mal „huhn schlau“ oder lest das). Ein Lebewesen mit – möglicherweise – dem Empfindungsvermögen eines dreijährigen Kindes zu essen ist ganz schön creepy, findet ihr nicht? Und die „Königseigenschaft des Menschen“, die ihn angeblich so besonders macht, die Empathie, teilen wir unter anderem mit Ratten, Hunden und Hühnern.

Ich finde es nicht weiter schlimm, dass ich derzeit der einzige Veganer bin, mit dem ich näheren Kontakt pflege. (Ich finde es weitaus schlimmer, dass ich nicht früher Veganer wurde, aber daran kann ich schlecht etwas ändern.) Ich war ja selber lange kein Veganer und hatte die üblichen Vorurteile über Veganismus (ungesund, Mangelernährung, vegetarisch reicht, vegan ist eine Religion mit Spinnern die den Verlust der Spiritualität in Deutschland irgendwie kompensieren müssen, nur Gras oder ungesundes Tofu fressen und bescheuert aussehen; der Mensch brauch aus Paläo-Gründen Fleisch,…).

Schlimm finde ich, dass so viele Menschen sich daran stören, wie z.B. die Einwanderer in den USA mit den dortigen Ureinwohnern umgegangen sind, oder Hitler mit den Juden, oder Reiche mit Steuern, aber selbst nicht nur täglich dafür bezahlen, dass ähnlich schlimme Dinge weltweit passieren (ja, ich behaupte hier, dass, von euch in Auftrag gegeben, ähnlich schlimme Dinge wie „Ausschwitz“ passieren), sondern sich auch noch weigern, die ihnen zu Verfügung stehenden Mittel und Informationen zu nutzen, um sich aufzuklären und es besser zu machen. Die Amis hatten vor 500 Jahren kein Internet und keine wissenschaftlichen Studien zum Thema „Können Indianer leiden?“ oder Videoaufnahmen von „Rothautaktivsiten“. Wir schon! „Es ist keine Schande, nichts zu wissen, wohl aber, nichts lernen zu wollen.“ „Es ist nicht genug zu wissen, man muß auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muß auch tun.“

Ich habe im Mai hier einen Blog gestartet, um den Weltfrieden nach bestem Wissen ein Stück realistischer zu machen. Ich habe mittlerweile eine konstante Besucherzahl von (gefühlt) Minus 0,37834 Besuchern pro Tag, davon mehr als die Hälfte ich selbst. Das ist völlig in Ordnung, ich bin mir im Klaren darüber, dass ich einen vielleicht eher ungewöhnlichen Humor habe und meine Artikel zu unprofessionell und inhaltslos geschrieben sind und dass andere Menschen eben Kinder haben und ihr Geld selbst verdienen müssen. Aber es wäre toll, wenn du trotzdem bereit wärst, fünf oder mehr Minuten in ein Feedback zu investieren (das bitte aber nicht mit „Typisch Veganer…“ anfängt), damit ich die Chance bekomme, die Stunden, die ich am Tag versuche, für den Weltfrieden einzusetzen, effektiver zu gestalten.

Des Weiteren möchte ich euch einmal darum bitten, euch (wenn ihr Lust habt, jetzt) 5 Minuten Zeit zu nehmen, um euch das Zusammenleben der Lebewesen auf unserer Erde so vorzustellen, wie es euch am besten gefallen würde. Und zwar so, dass ihr mit praktisch jedem anderen Mensch den Platz tauschen könntet, ohne dadurch Einbußen in eurer Lebensqualität zu erfahren.

Vielleicht würdet ihr euch wünschen, dass die Menschen einander besser vertrauen könnten. Man müsste als Frau nachts keine Angst mehr haben und bräuchte Passwörter nur noch fürs Nostalgiegefühl. Es gäbe auch keine Drückeberger mehr, die aufwendige Arbeitnehmerkontrollsysteme nötig machen und Milliarden von Wirtschaftseinbußen verursachen. Oder, dass die Menschen verantwortungsvoller sind, wo bisher Gier vorherrscht. Oder euch gefällt alles so, wie es ist, aber dann stimmt euer Weltbild vermutlich weniger mit der Welt überein, die ich so erlebt habe oder es fällt euch schwer, euch vorzustellen, ihr wärt jemand anders.

Ich persönlich bin überzeugt davon, dass so eine Welt, bei der man keine Passwörter mehr benötigt, möglich ist, wenn genug Menschen sich dafür einsetzen. Und ich bin überzeugt davon, dass die meisten Menschen auf der Welt, sich in der Welt, die ich anstrebe, ziemlich wohl fühlen würden. Ich kenne Menschen, die weder ihr Geschlecht noch ihre Religion als Grund sehen, andersartige Menschen schlechter zu behandeln als sich selbst. Und ich bin überzeugt davon, dass Menschen, auf die das heute noch nicht zutrifft, sich ändern können. Aber damit diese Vision Realität wird, ist es unbedingt notwendig, dass jeder Einzelne – ob er sich als nackten Affen oder als Gottes Ebenbild sieht – damit anfängt, daran zu arbeiten, sein Verhalten mit seinen Wertvorstellungen sowie der „echten“ Welt da draußen in Einklang zu bringen. Ich habe aus mir unbekannten Gründen die feste Überzeugung, dass das möglich ist.

Ich bin meiner Wahrnehmung nach kein unrealistischer Träumer. Ich halte es durchaus für möglich, dass Nietzsche recht hatte, als er die Hoffnung als das größte Übel bezeichnete, dass aus der Büchse der Pandora befreit wurde. Weil sie Menschen wie ihn und mich dazu bringt, weiter zu leben, wo es eigentlich für sie angenehmer wäre, zu sterben, weil man dann das viele Leiden und Negative nicht mehr wahrnehmen würde.

Aber ich bin auch Evolutionsbiologe. Ich glaube nicht mehr an den Teufel. Ich glaube nicht mehr an die notwendige Bosheit der menschlichen Natur oder daran, dass schlau klingende Phrasen aus dem 3. Jahrtausend (wie z.B. „es war schon immer so und wird auch immer so sein“) in Stein gemeißelte Prophezeiungen sind. Sondern ich glaube daran, dass die Zukunft unvorhersehbar ist. Kein Fisch hätte euch vor 400 Millionen Jahren geglaubt, dass ihre größte Quelle für Leid einmal ein zweibeiniges Landsäugetier sein wird. Genauso glaubt mir kein Mensch, dass Weltfrieden praktisch möglich ist. Der Mensch in mir hofft es und der Wissenschaftler in mir weiß, dass diese Hoffnung real werden kann.

Mich persönlich beschert es ein deutlich erfüllteres Leben, dieser Hoffnung gemäß zu leben, als mein Leben damit zu verbringen, meine Dopaminausschüttung mit illusionistischem Quatsch zu steigern und zu versuchen, meinen Kindern einen Wettbewerbsvorteil in einer Welt zu verschaffen, die so abgefuckt ist, dass ich keinen einzigen Menschen kenne, der gerne darin lebt, ohne Teile dieser Welt bewusst aus seinem Bewusstsein auszublenden.

Wie komme ich dazu, mich zu erdreisten, so einen Brief an Weihnachten zu schreiben? Nun, die Hoffnung, dass auf dieser Welt einmal Liebe statt Gier regieren wird, ist genau so real und berechtigt, wie die Hoffnung, dass Männer in Indien es einmal nicht mehr als ihr Grundrecht ansehen werden, ein angenehmeres Leben als eine Frau zu haben. Und ist es nicht passend, auf diese berechtigte Hoffnung auf Liebe am Fest der Hoffnung und Liebe aufmerksam zu machen?

Vielleicht bin ich einfach süchtig nach einem höhen Lebenssinn oder nach unrealistischer Veränderung.
Vielleicht bin ich ein Träumer.
Aber waren das Martin Luther (King), Mohandas Karamchand Gandhi oder William Wilberforce nicht auch?

Wer seine Welt gerne jetzt vergößern will…

…könnte sich beispielsweise mal den Film „der Pianist“ ansehen und sich danach von mir persönlich, per Mail oder über die Kommentarfunktion erklären lassen, inwiefern der Film leider nicht nur eine düstere Vergangenheit zeigt, sondern exemplarisch für die Gegenwart verstanden werden kann. Unter anderem – ganz klassisch – mit den Deutschen in der Rolle der bösen Nazis sowie als „die Wegsehenden“.

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