Unsere Welt aus meiner Veganersicht

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Bild: Harry Hautumm / pixelio.de

Artgerecht gehalten und geschlachtet.

Im folgenden werden wir Zeuge eines fiktiven Dialogs zweier fiktiver Personen in einer fiktiven Welt zu einer fiktiven Zeit miterleben dürfen. Sämtliche Ähnlichkeiten zu aktuellen oder historischen Personen, Personengruppen oder Namen sind völlig unbeabsichtigt und zufällig entstanden.

„Hallo Fritz, meinst du nicht, es ist falsch, Juden zu denunzieren, nur weil du dabei für jeden Juden 100 Reichsmark bekommst? Du weißt ja gar nicht genau, was die mit denen machen.“

„Ach was Hans, der gute Adolf weiß schon, wie man mit Juden umgeht. Der sieht mir vertrauenswürdig aus. Ich glaube nicht, dass Juden leiden müssen, denen geht es mit Sicherheit sehr gut. Außerdem ist mir das irgendwie auch egal, die 100 Reichsmark sind einfach zu wichtig für mich, als dass ich es lassen könnte.“

„Aber Fritz, ich habe gehört, das manche Juden sogar schon auf der Reise sterben! Das kann doch nicht gut sein! Ist das wirklich das bisschen Geld wert?“

„Mensch Hans, jetzt komm mal runter. Hier auf der Homepage <<www.neutrale-Informationen-über-die-Judenbehandlung-von-Adolf-Hitler-selbst.de>> steht doch, dass es umfassende, sehr strenge Judenschutzgesetze in Deutschland gibt. Die Juden in Deutschland werden artgerecht gehalten rassegerecht behandelt, dass weiß ich genau. Ich vertraue Adolf. Die Bilder die du von toten Juden in Zügen siehst, sind alle nur gestellt von diesen Judenschutzfanatikern. Die Juden auf diesen Bildern waren alle sowieso schon krank. Aber das stand da vermutlich nicht dabei, häh? Alles Propaganda; diese Judenschutzfanatiker gehören alle eingesperrt!“

„Man Fritz, ich habe eben gelesen, dass viele Juden einfach getötet werden! Und du denunziierst die immer noch! Du bist doch krank! Du würdest ja nicht mal deinen Schäferhund Benno so behandeln.“

„Ach jetzt komm mal runter Hans, ich habe gehört, dass die dabei gar nicht leiden müssen. Denen wird erzählt, dass sie duschen gehen dürfen mit heißem Wasser, und dann kommt halt kein kein Wasser raus sondern Gas; das ist total human und so müssen die überhaupt nicht leiden. Du machst mal wieder aus einer Mücke einen Elefanten! Und wie kannst du Benno da mit ins Spiel bringen? Bist du wahnsinnig, meinen geliebten Benno mit den Juden zu vergleichen? Du bist doch der kranke hier, dass du dir solche absurden Vergleiche überhaupt ausdenken kannst! Mein Judengeld lasse ich mir von dir nicht nehmen! Ich finde sowieso, du hast mich genug voll gequatscht. Es ist reine Privatsache, ob man Juden denunziert oder nicht! Ich kritisiere dich ja auch nicht dafür, dass du keine Juden denunziert! Was auf meinem Teller liegt Wie ich mein Geld verdiene ist allein meine Sache!“

Die Judenfrage

Viele Nicht-Veganer, aber vielleicht auch einige Veganer, halten den Vergleich des Juden-Holocoust mit dem Tier-Holocoust für überzogen, unverschämt und am besten sollte man ihn unter Strafe verbieten und Menschen wie mich einsperren. Aber warum? Ich habe noch keine vernünftige Begründung gehört („Das ist einfach Tabu“ ist keine Begründung…). Die Juden selbst scheinen sich an diesem Vergleich statistisch gesehen weniger zu ärgern, ist doch Israel mittlerweile mit 5 % Veganern das – prozentual betrachtet – meines Wissens nach veganste Land der Welt.

Ausgelöst wurde der israelische Veganismus u.a. von einem Mann namens Gary Yourofsky, der mit Nachdruck u.a. im israelischen Fernsehen, zur besten Sendezeit betont, dass der Tier-Holocoust sogar bei weitem schlimmer ist, als der Juden-Holocoust. Yourofsky selbst ist der Meinung, dass gerade Menschen, die Leid erfahren haben, besser mit anderen leidenden Lebewesen mitfühlen können. Ich meine auch wahrzunehmen, dass Menschen, die allzu behütet aufgewachsen sind, stark dazu neigen, Leid als eine abstrakte, unpersönliche Größe zu betrachten, deren Existenz oder Nichtexistenz nicht von Relevanz ist („Ach ja dieses Leid und Hunger und so das kam mal im TV, fand ich jetzt nicht so cool.“). So wie z.B. die globale Erwärmung für viele Menschen im kalten Deutschland auch nur eine abstrakte Größe ohne irgend eine Bedeutung zu sein scheint, gemessen daran, wie sich Politiker, Industire und Verbraucher verhalten. Viele Juden haben jedenfalls gelitten, und vielleicht deshalb können sie besser mit anderen leidenden Wesen mitfühlen.

Auf Grund des oben erläuterten Sachverhaltes sehe ich momentan noch keinen guten Grund dafür, Vergleiche zwischen ermordeten Juden und ermordeten Tieren zu unterlassen. Wer das nicht mag, darf mir gerne erklären, was dagegen spricht. Ach ja, da fällt es mir doch noch ein: Gegen diesen Vergleich spricht, dass der Tierholocoust eine viele längere gute alte deutsche Tradition ist, als es der Judenholocoust war. Und was man schon immer gemacht hat, kann ja nicht falsch sein, oder?

Die Parallele

Das lustig-absurde daran ist doch, dass unser fiktiver Fritz vielleicht erstmal wirklich gar nicht wusste, was mit den Juden genau passiert. Wer allerdings ein Steak oder Schnitzel kauft, wird vermutlich schlecht behaupten können, er wusste ja nicht, dass dafür ein Tier sterben musste… Wenn jetzt Menschen sagen, dass sie darauf achten, humanes bio-öko-Fleisch zu kaufen, ist dass aus meiner Sicht ziemlich paradox. Im Endeffekt bezahlt man dabei nämlich dafür, dass ein Lebewesen, mit einem in der Regel äußerst stabilen Lebenswillen, während seiner Kindheit oder Teenyzeit getötet wird, und erkundigt sich danach dann, ob es diesem Tier auch wirklich gut geht.

Wie das System funktioniert

  1. Erzeuge ein Produkt (Fleisch) auf eine möglich wirtschaftlich rentable Art und Weise.
  2. Betreibe Marketing, sodass viele Menschen das Produkt kaufen, die es weder brauchen, noch kaufen wollten, wenn sie wüssten, wie es produziert wurde.
  3. Wenn du als Erzeuger zur Rede gestellt wirst, rechtfertige nicht, was du getan hast, sondern beschreibe einfach einen theoretischen Soll-Zustand.
  4. Betreibe noch viel mehr Marketing.

Das klappt im übrigen auch bei: Prostitution, Pornographie, Fisch, Kleidung, Schokolade, Flugreisen, Orangenproduktion, Maniküre sowie allem anderen auf der Welt.

Was gegen das System hilft

Reinhard Mey.

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