Wie rechtfertigt der Mensch was er tut?

denker_by_juli-ganseblumchen

Bild: juli.gänseblümchen / pixelio.de

Meiner Wahrnehmung nach gibt es drei grundlegend verschiedene Ansätze (oder Kategorien), die der Mensch als (Argumentations-)Grundlage für die moralische bzw. ethische Rechtfertigung seines Handelns verwendet. Und nur eine von ihnen ist Weltfriedens-konform…

[Dieser Artikel ist etwas arg trocken. Sorry. Wer mir beibringen kann, solche Inhalte weniger langweilig rüber zu bringen, ohne den Inhalt abzuändern, biete ich meine ewige Dankbarkeit.]

Erste Kategorie: „X bringt mir was.“

„Etwas ist gut, wenn ich davon profitiere.“ Das ist der primitivste Ansatz moralischer Rechtfertigung, der mich gelegentlich an das Denken eines Kleinkindes erinnert. Hier werden Subjektivität und Bedürfnisse außerhalb meiner eigenen Subjektivität ignoriert oder extrem abgewertet, was zwangsläufig leicht zu Konflikten mit genau diesen Subjekten führen kann. Außerdem lebt man hier mit dieser Einstellung einen moralischen Doppel-Standard, da man diese Begründung kaum akzeptieren würde, wenn ein anderer sie zum eigenen Nachteil anführen würde.

Beispiele für Argumente aus Kategorie 1:
„Hauptsache es ist billig.“ (Ansatz 1)
„Weil es Spaß macht.“ (Ansatz 1)
„Aber es schmeckt mir eben.“ (Ansatz 1)
„Ich kann ohne … nicht leben.“ (Ansatz 1)

Zweite Kategorie: „X ist normal.“

„Etwas ist gut, wenn die Mehrheit der aus Subjekten bestehenden Macht (= „die meisten“, wenn jeder gleich viel Macht hätte; in unserer Welt hat halt auch mal einer mehr Macht als ein paar Millionen) es für gut befindet.“ Eine Spezialform davon: „Etwas ist solange nicht schlecht, wie es ein anderer schon mal getan hat, ohne dafür bestraft zu werden.“ Auch viele Christen wählen häufig diesen zweiten Ansatz und nicht den eigentlich christlicheren dritten (Jesu Gebot der Nächsten- & Feindesliebe), da sie sich häufig auch nur soweit an den Bedürfnissen anderer orientieren, wie das innerhalb ihres eigenen christlichen Umfeldes üblich ist.
Auch mit dieser Einstellung drückt man einen moralischen Doppel-Standard aus, da man diese Begründung kaum akzeptieren würde, wenn ein anderer sie zum eigenen Nachteil anführen würde.

Beispiele für Argumente aus Kategorie 2:
„Das tut doch jeder.“
„Das ist doch völlig normal.“
„Ich tue dies, weil ich ja irgendwie meine Familie ernähren muss.“ (Eine Mischung aus Kategorie 1 und 2)
„Peta sollte sich lieber um afrikanische Kinder kümmern, als mir einzureden, dass ich kein Fleisch mehr essen soll.“ (Dieser Satz soll daran erinnern, dass die Allgemeinheit eine Ernährungsumstellung für unwichtig hält, da es schlimmere Probleme gibt.)

Dritte Kategorie: Goldene Regel

„Ich behandle den anderen so, wie ich an seiner Stelle behandelt werden will.“ Ich sehe meine Subjektivität und gehe davon aus, dass es auch Subjektivität außerhalb von meiner Subjektivität gibt. Ich weiß, dass ich Bedürfnisse habe, und gehe davon aus, dass andere Subjekte auch Bedürfnisse haben. Da ich will, dass meine Bedürfnisse respektiert und befriedigt werden, tue ich was in meiner Macht und Verantwortung steht, damit die Bedürfnisse anderer Subjekte ebenfalls befriedigt werden.

Beispiele für Argumente aus Kategorie 3:
„Ich kaufe keine billige Schokolade mit Kakao unbekannter Herkunft, da, falls ich von einem Konzern ausgebeutet werde, ich ja auch nicht will, dass dieser Konzern dadurch Gewinn macht, seine Macht ausbaut und weitere Menschen ausbeutet. Stattdessen kaufe ich gezielt meine Schokolade von einem Konzern, der seine Arbeiter so behandelt, wie ich behandelt werden will, würde ich dort arbeiten.“

Weltfrieden

Ich persönliche halte den dritten Ansatz für ideal, weil seine konsequente Realisierung meiner Vorstellung nach zu einer nachhaltigen Maximierung von Wohlbefinden und Minimierung von Leid auf unserem Planeten und im Universum führen würde. Ansatz 1 und 2 haben nicht die Macht, das Wohlbefinden insgesamt zu maximieren, sondern können es nur umverteilen, wobei es dann Zufall ist, ob es dem Einzelnen gut oder schlecht geht. Durch eine flächendeckende Praktizierung von Ansatz 3 könnte sich Wohlbefinden und Glück wie ein Virus weiterverbreiten.

Diese Tatsache macht die Goldene Regel vielleicht zur bedeutendsten Errungenschaft des menschlichen Denkens – vorausgesetzt, wir fangen an, sie großflächig umzusetzen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s