Wie werden Meinung und Demokratie gesteuert?

Rainer Mausfeld, Professor für allgemeine Psychologie an der Universität Kiel, mit Schwerpunkt Wahrnehmungspsychologie und Kognitionswissenschaft, hält einen Vortrag darüber, wie die Machteliten (Besitzenden) dem Volk ihre Interessen „aufzwingen“. Er zeigt, dass wir in Deutschland höchstens in einer Scheindemokratie leben, da die eigentlichen Machtinhaber nicht abgewählt werden können und in der Regel nicht einmal sichtbar sind. Das klingt nach Verschwörungstheorie, ist aber eine sachliche Präsentation der Ergebnisse allgemein anerkannter, in Fachzeitschriften publizierter Forschung.

Ein paar Zitate aus dem Vortrag:

„Wir haben auf der einen Seite eine Atomisierung [d.h. Zerstückelung, Anm. von N. Meyer] der Bevölkerung. Die hat natürlich keine gesellschaftliche Kraft mehr. Das sollte sie auch nicht, das war gerade die Idee. Auf der anderen Seite finden wir eine zunehmende Vernetzung der Besitzenden.“

„Die Situation, die wir heute haben, ist eine extreme Vernetzung von Machtstrukturen.“

„Es entstanden gigantische Machtstrukturen. Diese gigantischen Machtstrukturen sind demokratisch nicht legitimiert und sie sind durch keinen Prozess der Wahl mehr abwählbar. Die wichtigsten Machtstrukturen unserer Gesellschaft sind dem Wähler gar nicht mehr zugänglich. Diese Machtstrukturen sind jeder Rechenschaftspflicht entzogen, sind öffentlich unsichtbar. D.h. – und das wurde auch explizit gesagt – man möchte nicht, dass der normale Bürger überhaupt weiß, dass diese Machtstrukturen überhaupt existieren. Sie sollen im öffentlichen Diskussionsraum unsichtbar sein.“

„Der Neoliberalismus möchte den Staat für seine Anliegen nutzen, und zu einem Interventionsstaat und Subventionsstaat für die Reichen machen. Er hat eine Vielzahl von Mechanismen entwickelt, durch die sich ökonomische Macht in politische Macht transformieren lässt.“

Bezogen auf Amerika zitiert er eine Studie:
„Politische Entscheidungen werden von mächtigen Wirtschaftsorganisationen und einer kleinen Anzahl wohlhabenden Amerikanern dominiert.“
Und betont dabei, dass er nicht irgendwelche Verschwörungtheoretiker zitiert, sondern seriöse Studien.

„70% der Bevölkerung – nämlich die unteren 70% – haben überhaupt keinen Einfluss auf politische Entscheidungen.“

„Es wurde öffentlich gesagt: Der Neoliberalismus ist ein Krieg gegen die Armen. Es steht in der Zeitung – und wir machen nichts.“

Und der Bezug zu Weltfrieden?

Nun, ich denke ein Schlüssel zum Weltfrieden könnte sein, die Menschen an die Macht zu bringen, denen die Bedürfnisse aller wichtig sind (siehe hier). Dazu muss man z.B. wissen, wer an der Macht ist.

Oder wie es Prof. Mausfeld es formuliert:

„Ein Widerstand gegen diese Verhältnisse hat überhaupt erst dann eine Chance auf Erfolg, wenn wir eine realistische Einschätzung der Situation haben.“

Meine Meinung: Ein sehr sehenswerter Vortrag!

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